... erheben innerhalb der Gruppe der Kriminalitätstheorien den Anspruch, das Phänomen Kriminalität insgesamt zu erklären. Im Gegensatz dazu stehen spezielle Erklärungsansätze, die lediglich altersspezifische oder deliktspezifische Delinquenz zu ihrem Untersuchungsgegenstand haben, wie etwa Jugendkriminalität, Eigentumsdelikte, Wirtschaftskriminalität oder Sexualdelinquenz. Die bekannteste der Allgemeinen Kriminalitätstheorien ist A General Theory of Crime von Travis Hirschi und Michael R. Gottfredson. Robert Agnew mit seiner General Theory of Crime and Delinquency sowie Charles R. Tittle mit der Control Balance Theory legten ebenfalls umfassende Kriminalitätserklärungen vor. Auch der australische Kriminologe John Braithwaite erarbeitete mit seinem Konzept des reintegrative shaming eine allgemeine Theorie der Kriminalität. Sie gilt als meistdiskutierte kriminologische Theorie der letzten zwei Jahrzehnte (Stand 2012). Im deutschen Sprachraum lässt sich ...
Der Begriff organisierte Kriminalität bezeichnet allgemein Gruppierungen, die kriminelle Ziele systematisch verfolgen. Fachsprachlich wird der Begriff genauer definiert. Der an der Allgemeinsprache orientierte Duden verzeichnet die Schreibweise organisierte Kriminalität. Die alternative Schreibweise Organisierte Kriminalität (Abkürzung OK) wird vor allem fachsprachlich verwendet. Umgangssprachlich wird diese auch mit der Bandenkriminalität in Verbindung gebracht. In Deutschland wird organisierte Kriminalität wie folgt definiert: „Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen, b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder c) unter Einflussnahme auf Politik, ...
Als Kriminalität der Mächtigen wird ein seit Mitte der 1970er Jahre vor allem im Rahmen der Kritischen Kriminologie diskutiertes kriminologisches Konzept bezeichnet. Sebastian Scheerer zufolge handelt es sich um „die Summe der Straftaten, die zur Stärkung oder Verteidigung überlegener Macht begangen werden". Der Begriff war ursprünglich auch dazu gedacht, einen Paradigmenwechsel innerhalb der Kriminologie herbeizuführen. Bereits in den 1940er Jahren hatte der amerikanische Kriminologe Edwin H. Sutherland ausgeführt, dass sich die Kriminologie traditionell überproportional mit Phänomenen der so genannten Unterschichtenkriminalität befasst habe und einen entsprechenden Perspektivenwechsel angemahnt. Das Konzept wurde zum Schwerpunkt eines Arbeitsprogramms zum Thema „Ungleichheit und Kriminalität", das der Arbeitskreis junger Kriminologen (AJK) auf einer Programmtagung im Sommer 1973 initiiert hatte. Unter der Überschrift „Kriminalität der Mächtigen" fand dann 1975 ein Symposium ...
... sind Systeme von Aussagen zur Erklärung der Ursachen, des Verlaufs und der strukturellen Eigenarten delinquenten Verhaltens. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Mikrotheorien, deren Ansatz die individuellen Merkmale kriminellen Verhaltens herausstellt, und Makrotheorien, die auf den gesellschaftlichen Kontext abstellen. Neben diesen beiden Theoriekonzepten stehen Theorien, die Kriminalität als Konstrukt eines formellen Kontrollsystems (insbesondere Strafrecht und die staatlichen Instanzen zur Verfolgung von Kriminalität) ansehen. Grundsätzlich wird auch eine Klassifikation von Kriminalitätstheorien vom wissenschaftlichen Ansatz her vertreten, sodass unter anderem von soziologischen, sozialpsychologischen, psychologischen oder biologischen Kriminalitätstheorien die Rede ist. Während die biologischen Kriminalitätstheorien weitgehend in den Hintergrund getreten sind, dominieren heute vor allem sozialpsychologische Ansätze. Grundsätzlich ist keine einzige ...
Der Begriff der Kriminalität (von lat. crimen „Beschuldigung, Anklage, Schuld, Verbrechen") orientiert sich im Wesentlichen an der juristischen Definition der Straftat. Während sich die „Straftat" oder der materielle Verbrechensbegriff jedoch eher an dem individuellen Verhalten misst, werden mit „Kriminalität" die Straftaten als Gesamtphänomen (Makrophänomen) bezeichnet. Gemeint ist mit dem Begriff „Kriminalität" nach herrschender Lehrmeinung nicht nur das von der Polizei als Straftat bewertete Verhalten, sondern sämtliche Rechtsverletzungen von strafrechtlichen Tatbeständen. In der kritischen Kriminologie hingegen wird, entsprechend der angeführten Doppeldeutigkeit des lateinischen Begriffs: Beschuldigen-Verbrechen, unter „Kriminalität" die Gesamtheit der Aktionen und Interaktionen zwischen den für Rechtsetzung und -durchsetzung zuständigen Institutionen einerseits und den für Rechtsbruch verantwortlichen und von Rechtserleidung betroffenen Individuen andererseits ...
Die Einsatzgruppe D zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (EDOK) war eine Sondereinheit des österreichischen Bundesministeriums für Inneres. Sie ist seit 2002 Teil des österreichischen Bundeskriminalamtes und besteht dem Namen nach nicht mehr. In den letzten Jahren ihres Bestehens wurde bekannt, dass Spitzenbeamte der EDOK nicht nur intensive Kontakte zur Ostmafia pflegten, sondern auch fallweise in deren Geschäfte verwickelt waren. Im Oktober 2000 wurde ein dienstführender Beamter der EDOK vom Dienst suspendiert, weil er im Auftrag eines russischen Mafia-Paten den deutschen Journalisten Jürgen Roth mit 600.000 DM (300.000 Euro) bestechen wollte. Im April 2002 wurden drei hochrangige Fahnder der EDOK verhaftet. Sie wurden verdächtigt, jahrelang für die Ostmafia gearbeitet zu haben und zu diesem Zweck ein bis in die Wiener und Niederösterreichische Landesregierung und in die Fernmeldebehörde reichendes Netzwerk aus Begünstigung, Bestechung und illegaler Datenweitergabe ...
Ein kriminalitätsbelasteter Ort (Abkürzung: kbO) ist im Sprachgebrauch der Berliner Polizei ein geografisch definiertes Gebiet in Berlin, in dem vergleichsweise häufig Straftaten von erheblicher Bedeutung wie Raub, Brandstiftung, Gefährliche Körperverletzung, Taschendiebstahl im Rahmen der organisierten Kriminalität oder Drogenhandel begangen werden. An kriminalitätsbelasteten Orten ist die Polizei befugt, verdachtsunabhängig Ausweispapiere zu kontrollieren und Personen sowie Sachen zu durchsuchen. In anderen Bundesländern gibt es zum Teil ähnliche Rechtskonstruktionen eines „gefährlichen Ortes" unter je verschiedenen Bezeichnungen. Die Einordnung als kriminalitätsbelastete Orte, zuvor gefährliche Orte genannt, findet in Berlin seit 1994 statt. Eine entsprechende Kategorisierung erfolgt nach gemeinsamer Einschätzung des Landeskriminalamts, des Justiziarats und des Stabs des Polizeipräsidenten. Die Grenzen der betroffenen Gebiete werden mindestens monatlich überprüft und der ...
Das von der UN-Generalversammlung am 15. November 2000 angenommene Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (auch Palermo-Konvention genannt, da es vom 12. bis 15. Dezember 2000 in Palermo (Italien) zur Unterzeichnung auflag), bildet einen Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Erstmals wurden Prävention und Bekämpfung der organisierten Kriminalität in einem völkerrechtlichen Vertrag global geregelt und Rechtsgrundlagen für internationale Rechtshilfe, Auslieferung und Polizeikooperation geschaffen. Ziel ist es, die nationalen Gesetze zu harmonisieren und einheitliche Standards für das innerstaatliche Recht zu setzen sowie die Zusammenarbeit der Staaten bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität zu intensivieren. Ergänzend zu dem Übereinkommen wurden folgende Protokolle von der UN-Generalversammlung mit verabschiedet: Protokoll vom 15. November 2000 gegen die Schleusung von Migranten auf dem Land-, See- und Luftweg ...
... (PMK) bezeichnet ein Definitionssystem zur statistischen Erfassung politischer Straftaten innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Dieses wurde 2001 durch Beschluss der Innenministerkonferenz bundesweit eingeführt. Die PMK-Statistik erfasst Straftaten nach zwei Logiken: a) Straftaten, die Tatbestände der Staatsschutzdelikte umfassen, werden immer als PMK erfasst, selbst wenn eine politische Motivation im Einzelfall nicht festgestellt werden kann. Die Staatsschutzdelikte umfassen u. a. den Friedens- und Hochverrat, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und die Verschleppung. b) Straftaten, bei denen in Würdigung der Umstände der Tat und/oder der Einstellung des Täters Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie den demokratischen Willensbildungsprozess beeinflussen sollen, der Erreichung oder Verhinderung politischer Ziele ...
Das Abkommen über die Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Verhinderung und Bekämpfung schwerwiegender Kriminalität ist ein Abkommen zwischen Deutschland und den USA, das 2008 paraphiert wurde und am 19. April 2011 in Kraft getreten ist. Die Verhandlungen zu dem Abkommen begannen im Januar 2007 unter Führung des Bundesinnenministeriums und des Bundesjustizministeriums. Unterzeichnet wurde das Abkommen am 11. März 2008 von Wolfgang Schäuble und Brigitte Zypries auf deutscher Seite sowie Michael Chertoff und Michael Mukasey auf amerikanischer Seite. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte das Abkommen. Unter anderem unterlägen die an die USA übermittelten Daten keinerlei Datenschutz, wie dies etwa beim Prümer Vertrag vereinbart wurde, da die Datenschutzgesetze der USA nur für US-Bürger gälten. Eine Definition des Begriffes „schwerwiegende Kriminalität" wurde nicht getroffen.Übermittelt werden sollen Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, daktyloskopische Daten ...
Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationen (abgekürzt KUNO) ist ein Projekt des EHI Retail Institute in Kooperation mit der deutschen Polizei und dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, das helfen soll, den Schaden durch den Betrug beim Einkauf mit Debitkarten per Lastschrift einzudämmen. Der Karteninhaber, der das Abhandenkommen seiner EC-Karte feststellt, meldet den Verlust oder Diebstahl bei der Polizei. Diese stellt die Daten der gestohlenen oder verlustig gemeldeten Karten der zentralen Datenbank des EHI zur Verfügung. Von dort werden die Informationen an Einzelhandel und Netzbetreiber weitergeleitet. Häufig existieren zu einem Bankkonto mehrere Karten. Wenn bei der Polizeimeldung nicht angegeben wird, welche Karte verlustig ist, sperrt der Einzelhandel das gesamte Konto für das Lastschriftverfahren. Durch eine Nachmeldung der Kartenfolgenummer kann der Kontoinhaber die Kontosperrung in eine Kartensperrung umwandeln. Die ...